Empfohlen 

Spaß versus Freude

Das-Wissen-muss-ein-Koennen-werden---Sonnenherz

Kennen Sie als Lehrer diesen Satz: „Mein Kind soll ja kein Profimusiker werden."? Oder: „Es soll einfach nur Spaß haben!"

Eventuell sind Sie als Elternteil der Musikschullehrkraft so gegenübergetreten? Dann ist dieser Text genau für Sie bestimmt.

„Soll einfach nur…" wirkt als Limitierung, obwohl er, positiv unterstellt, als Schutz gemeint war (nur wovor?). Die Wirkung ist allerdings eher die, dass das Kind den Unterricht gar nicht mehr ernst nimmt. Die Beteiligung rutscht auf ein Mindestmaß ab, selbst talentierte Schüler reduzieren ihr Engagement auf ein Minimum.

Das ganze führt unter Umständen in einen Teufelskreis: Ohne Vertiefung und Hingabe kommt es nicht zu der freudvollen Erfahrung, die den „Spaß" bei weitem übertrifft. Ohne diese Erfahrung wiederum bleibt auch der Prozess im Unterricht an der Oberfläche, weil der vordergründige Spaß tiefergehendes Erleben blockiert.

Vielleicht ist es verlockend, die Sahne vom Kuchen zu naschen, aber davon allein wird man nicht wirklich satt. Im Grund geht es um „Spaß" (im Sinne von Oberflächlichkeit) versus „Freude" (im Sinne ganzheitlicher Erfahrung). Dies zu verstehen ist ganz wesentlich.

Selbstverständlich soll die Beschäftigung mit dem Instrument Freude erlebbar machen. Und nach meiner Erfahrung wird diese um so tiefer, je intensiver sich der Lernende/Übende auf den Lern- und Übeprozess einlässt: wenn eben auch Widerstände überwunden werden, wenn die Trägheit besiegt wird, wenn der „innere Schweinehund" an die Leine genommen wird. Auf diesem Weg brauchen die Kinder fortwährend Ermutigung, auch durch die Eltern!

ARTIS Gitarrenduo in Dresden
Das Kreuz mit der Zahl
 

Kommentare 2

Gäste - Nora Kramer am Montag, 15. Juni 2020 21:37

Mir geht ihr Artikel schon mehrmals durch den Kopf. Irgendwie überlege ich, ob er stimmt. Ich bin mir nicht sicher. Ich möchte instinktiv protestieren. Ich bin seit 20 Jahren Lehrer und beobachte Kinder, wie sie lernen. Ich sehe sie manchmal unterwegs und ich denke mir, sie sind ein sehr genauer Mensch, der die Sachen ernst nimmt. Auch ich habe eine Kampfsportart früher trainiert- Taekwondo und lerne jetzt im Alter nochmal 2 Instrumente. Ich glaube es ist die Liebe und die Freude zu den Dingen in den Augenblicken, die ein in den Bann ziehen müssen. Das kann auch mal kurz die Sahne vom Kuchen naschen sein, genauso wie hartes Training oder eiskaltes Duschen. Ich wünsche mir das sie wieder Lachen, wenn wir uns mal sehen.
Den Spass im Leben fühlen können. Die Leichtigkeit einer Feder. Lachen.

Mir geht ihr Artikel schon mehrmals durch den Kopf. Irgendwie überlege ich, ob er stimmt. Ich bin mir nicht sicher. Ich möchte instinktiv protestieren. Ich bin seit 20 Jahren Lehrer und beobachte Kinder, wie sie lernen. Ich sehe sie manchmal unterwegs und ich denke mir, sie sind ein sehr genauer Mensch, der die Sachen ernst nimmt. Auch ich habe eine Kampfsportart früher trainiert- Taekwondo und lerne jetzt im Alter nochmal 2 Instrumente. Ich glaube es ist die Liebe und die Freude zu den Dingen in den Augenblicken, die ein in den Bann ziehen müssen. Das kann auch mal kurz die Sahne vom Kuchen naschen sein, genauso wie hartes Training oder eiskaltes Duschen. Ich wünsche mir das sie wieder Lachen, wenn wir uns mal sehen. Den Spass im Leben fühlen können. Die Leichtigkeit einer Feder. Lachen.
Kyerim am Dienstag, 16. Juni 2020 21:51

Liebe Frau Kramer, vielen Dank für Ihren Kommentar, der mich nun wieder anregt…
Ich glaube, Ihren Einwand zu verstehen. Mir geht es ja gerade um diesen Erfahrungsraum, in dem Menschen einfach spielend ausprobieren können: FREI von Erwartungen "dritter" (eben auch frei von Vorstellungen, wofür die Erfahrungen eben nicht gedacht waren).

Ich stelle mir Ausbildung im Idealfall so vor, dass jemand, seinen Interessen folgend, etwas ganz bestimmtes lernen will. Und dies natürlich freud- und lustbetont (wir sind emotionale Wesen, gelacht wird auch in meinem Unterricht).

Und dann steht die Frage, wie wir aus unseren (Lern)Erfahrungen etwas „ent-wickeln“ können, das uns unser Potential „ent-falten“ lässt… Von der ersten Freude am Klang des Instrumentes bis zur Befähigung, auf der (in meinem Unterricht Gitarre) aus sich selbst heraus zu musizieren. Dieser Weg beinhaltet auch genussvolles „Sahne naschen“ und geht doch weit darüber hinaus.

Auch die gesundheitsfördernden Effekte des eiskalten Duschens zeigen sich erst, wenn ich es regelmäßig praktiziere (ich weiß, wovon ich rede
Herzliche Grüße

Liebe Frau Kramer, vielen Dank für Ihren Kommentar, der mich nun wieder anregt… ;) Ich glaube, Ihren Einwand zu verstehen. Mir geht es ja gerade um diesen Erfahrungsraum, in dem Menschen einfach spielend ausprobieren können: FREI von Erwartungen "dritter" (eben auch frei von Vorstellungen, wofür die Erfahrungen eben nicht gedacht waren). Ich stelle mir Ausbildung im Idealfall so vor, dass jemand, seinen Interessen folgend, etwas ganz bestimmtes lernen will. Und dies natürlich freud- und lustbetont (wir sind emotionale Wesen, gelacht wird auch in meinem Unterricht). Und dann steht die Frage, wie wir aus unseren (Lern)Erfahrungen etwas „ent-wickeln“ können, das uns unser Potential „ent-falten“ lässt… Von der ersten Freude am Klang des Instrumentes bis zur Befähigung, auf der (in meinem Unterricht Gitarre) aus sich selbst heraus zu musizieren. Dieser Weg beinhaltet auch genussvolles „Sahne naschen“ und geht doch weit darüber hinaus. Auch die gesundheitsfördernden Effekte des eiskalten Duschens zeigen sich erst, wenn ich es regelmäßig praktiziere (ich weiß, wovon ich rede :) Herzliche Grüße
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Sonntag, 07. März 2021

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.